Revolution in der Provinz – Starnberg im November 1918

Die Rahmenhandlung

Deutschland im Herbst 1918: Hunger, Elend, Kriegsmüdigkeit. Schon seit 1916 ist klar: Der Krieg ist nicht zu gewinnen, das Land herabgewirtschaftet, die Bevölkerung darbt. Friedens- und Hungerdemonstrationen schlagen in politische Kundgebungen und Streiks um. Als die Kieler Matrosen Ende Oktober 1918 den Befehl zu einem Himmelfahrtskommando verweigern und es zu Erschießungen der Aufständischen kommt, entlädt sich die Spannung im ganzen Land.

München, 7.11.1918: Bei einer Friedensdemonstration wird das Ende der Monarchie verkündet und der Freistaat Bayern ausgerufen. König Ludwig III. flieht noch in der Nacht. Ein erster Arbeiterrat wird gewählt, eine provisorische, sozialdemokratische Regierung gebildet. Bald gibt es in ganz Bayern Arbeiter-, Soldaten-, Bürger- oder Bauernräte.

Starnberg, 21.11.1918: Im Gasthaus Pellet-Mayr wird ein Arbeiter- und Bürgerrat gewählt. Das Gremium, dessen Vorsitz Dr. Richard Paulus, Kunsthistoriker und Begründer des Museums für den Würmseegau (heute Museum Starnberger See), inne hatte, nahm sich den drängenden Fragen der Zeit an: Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Wohnungen und Arbeit. Daneben geht es auch um die Durchsetzung sozialer Errungenschaften, wie der Einführung des Achtstundentages und vor allem der Einführung der parlamentarischen Demokratie. Arbeiterrat und Behörden kooperieren.

München, 21.2.1919: Kurt Eisner, der „Ministerpräsident der Revolution“ wird ermordet. Die politische Lage spannt sich an. Neue Arbeiterräte werden gewählt, die ihren Forderungen jetzt mehr Nachdruck verleihen. Als auch dies wenig Wirkung zeigt, schlägt in München die Stunde der Räterepublik. Sozialisten wollen in München ein Rätesystem nach russischem Vorbild etablieren.

Starnberg, 7.4.1919: Auch in Starnberg wird die Räterepublik ausgerufen. Die Behördenleiter bekennen sich zur Republik – und bleiben im Amt. Soldaten der sog. Roten Armee sollen die Räte bei der Konfiszierung von Lebensmitteln unterstützen und für Ruhe und Ordnung sorgen.

München, 13./14.4.1919: Truppen der Regierung Hoffmann versuchen im sogenannten Palmsonntagsputsch die Macht in München zurückzugewinnen. Der Putsch scheitert. Die Regierungstruppen können von der „roten Armee“ zurückgeschlagen werden. Der Kampf stärkt die kommunistisch gesinnten Führer der Bewegung. Sie übernehmen die Macht und verkünden die Diktatur des Proletariats.

Starnberg, 17.4.1919: Ein neuer Arbeiterrat hat sich gebildet. Er distanziert sich von der Radikalisierung des Münchner Zentralrates. Zu seiner „Disziplinierung“ werden rote Garden nach Starnberg beordert. Geiseln werden als Pfand gegen mögliche Anschläge von Konterrevolutionären genommen. „Sozialisierungen“ großer landwirtschaftlicher Güter geplant und angegangen. Ein Revolutionstribunal tagt öffentlich. Die Stimmung ist gereizt. Trotzdem geht der Arbeiterrat wie gewohnt seinen Geschäften nach, beschäftigt sich mit Eingaben von Bürgerinnen und Bürgern, beschlagnahmt Lebensmittel und verteilt diese an Bedürftige und ist bestrebt, Lohnarbeitern mehr Rechte einzuräumen.

Starnberg, 29. April 1919: Die „Weißen Garden“ rücken in Starnberg ein – und mit Ihnen das Morden. Über 20 Personen werden erschossen, darunter ein Angehöriger des Arbeiterrates Starnberg, Sanitäter, Rotarmisten und eine völlig unbeteiligte Frau. Der für viele hoffnungsvolle Aufbruch in eine neue Zeit hat ein brutales Ende genommen.

Die Ausstellung

Die Ausstellung zeichnet den Weg der Revolution von den friedlichen Anfängen des gesellschaftlichen Umbruchs bis zu ihrer Niederschlagung nach. Der Blick ist dabei auf die Entwicklungen und Ereignisse in Starnberg gerichtet. Wer waren die Akteure, welche Motive ließen sie politisch aktiv zu werden und mit welchen Aufgaben waren sie konfrontiert? Fotografien und Original-Dokumente erzählen nicht nur von dem Versuch, eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen, eine Gesellschaft, in der auch die unteren Schichten partizipieren können, sondern sprechen auch Bände über das bürokratische und gesetzestreue Wesen der bayerischen Revolutionäre. Darüber hinaus verrät der mikrohistorische Blick auf Starnberg, der (nicht ganz) durchschnittlichen Kleinstadt vor den Toren Münchens, viel über die die Nöte, Sorgen und Hoffnungen der Menschen dieser Zeit.

Begleitprogramm

Fr., 16.11.2018, 18.00 Uhr

Szenische Lesung „Des Bayernkönigs Revolutionstage“: Aus den gleichnamigen Aufzeichnungen von Josef Benno Sailer (1919) und den Tagebüchern Prinzessin Wiltruds von Bayern gelesen von Constanze Fennel und Florian Schwarz. Musik: Rupert Bopp; Regie: Christiane Böhm

VeranstaltungsortEintritt
Museum Starnberger See10 / 15 Euro

Mi., 21.11.2018, 20.00 Uhr

Vortrag „Ludwig III. und das Ende der Monarchie“ von Prof. Dr. Hermann Rumschöttel. In Kooperation mit dem Starnberger Kunstkreis Buzentaur.

VeranstaltungsortEintritt
Schlossberghalle Starnberg, kleiner Saal5 / 8 Euro

Mi., 06.02.2019, 20.00 Uhr

Vortrag „Kronprinz Rupprecht – König von Bayern? Oder: Wie sich das Haus Wittelsbach zur Revolution 1918/19 stellte.“ von Eberhard von Lochner. In Kooperation mit dem Starnberger Kunstkreis Buzentaur.

VeranstaltungsortEintritt
Schlossberghalle Starnberg, kleiner Saal5 / 8 Euro

Do., 11.04.2019, 19.00 Uhr

Vortrag „Als Starnberg rot wurde. Ein wenig bekanntes Kapitel der Lokalgeschichte“ von Dr. Vitalij Fastovskij.

VeranstaltungsortEintritt
Museum Starnberger See5 / 8 Euro

Do., 16.05.2019, 19.00 Uhr

Filmvorführung: Zeitzeugen berichten von der Münchner Räterepublik, München/Giesing 1989. Anschließend: Gespräch mit dem Filmemacher M. Backmund und Kollegen.

VeranstaltungsortEintritt
Museum Starnberger See8 / 10 Euro

Fr. – So., 12.- 14.07.2019

Seminar „Dichtung ist Revolution“ der Reihe Literarische Sommerfrische der Münchner Volkshochschule Haus Buchenried in Kooperation mit der Monacensia im Hildbrandhaus und dem Bayerischen Rundfunk.

VeranstaltungsortEintritt
Haus Buchenried, Berg-Leoni10 / 15 Euro

Veranstaltungsort

Weitere Infos und Anmeldung unter der Homepage der Münchner Volkshochschule oder 089 / 480 066239

Führungen

DatumUhrzeitEintritt
Jeden 1. Sonntag im Monat11.00 Uhr8 / 7 Euro
Nach TerminabspracheNach Terminabsprache75 Euro pro Gruppe, zzgl. Eintritt pro Person

Weitere Informationen, Buchungen und Anmeldung: Museum Starnberger See (08151/4477570 oder info(at)museum-starnberger-see.de).

Starnberg, am 29. April 1919
Starnberg, am 29. April 1919
Starnberg, am 29. April 1919
Starnberg, am 29. April 1919
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