Die erste Kirche Starnbergs

St. Benedikt um 1790

Bis zum Bau der St.-Josefs-Kirche 1764/66 stand in der Possenhofener Straße (neben dem heutigen „Museum Starnberger See“) Starnbergs erste Kirche. Der Kirchenbau erstreckte sich einst auch auf das benachbarte, heute bebaute Grundstück.

7./8. Jahrhundert: Die älteste nachweisbare Kirche war eine schlichte Saalkirche mit einer Größe von ca. 13 x 6 Metern mit Rechteckchor, deren Fundamente aus Bachkieseln, wenigen römischen Ziegeln und Mühlsteinfragmenten bestanden und die wohl als Eigenkirche einer bajuwarischen Adelsfamilie bereits im 7. Jahrhundert errichtet worden war. Im 9. Jahrhundert wurde diese Eigenkirche dann wahrscheinlich eine Kirche des Klosters Benediktbeuern. Sie wurde nun auch dem heiligen Benedikt geweiht.

10./11. Jahrhundert: Um das Jahr 1000 wurde diese erste Kirche abgebrochen und durch einen längeren und breiteren Bau ersetzt. Der sich östlich anschließende Chorraum war aus Tuffsteinen gemauert. Es ist davon auszugehen, dass um diese Zeit die Kirche zur Pfarrkirche des nun deutlich wachsenden Ortes wurde.

14. Jahrhundert: Ein weiterer, weitaus größerer Kirchenneubau wurde dann in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Erstmals erhielt die Kirche nun
auch einen südöstlich des neuen Chores gelegenen Glockenturm. Der Turm wurde wohl später nach Südwesten verlegt.

Die Ausgrabung

Ausgrabung der Überreste von St. Benedikt

Mit Baubeginn von Starnbergs neuer Pfarrkirche St. Josef wurde 1764 St. Benedikt „überflüssig“ und zur Gewinnung von Baumaterial bereits großteils abgebrochen. Bestehen blieb nur der Chorraum. Dieser wurde bis ins frühe 19. Jahrhundert als Kapelle genutzt. Wohl nur wenige Jahre später erwarb das Grundstück ein Privatmann, der sich hier ein Landhaus baute. Um 1955 wurde in dem um 1920 umgebauten Haus die „Pension Eder“ eingerichtet, die bis Anfang der 1990er-Jahre betrieben wurde. Ein Feldkreuz auf dem Nachbargrundstück erinnerte (und erinnert) an die alte Kirche.

Im August 2007 ließ der Eigentümer das Haus abreißen und mit Aushubarbeiten für ein Wohnhaus mit Tiefgarage beginnen. Dabei stieß ein Baggerfahrer in der nördlichen Grundstückshälfte auf Reste von historischen Grundmauern, im südlichen Teil des Grundstücks fanden sich im Aushub zahlreiche menschliche Gebeine. Die Baumaßnahmen wurden gestoppt und sofort wurde mit einer Notgrabung begonnen. Parallel dazu nahm die Stadt Starnberg mit dem Eigentümer Verhandlungen über einen Grundstückstausch auf.

Bald darauf konnte die Stadt das Grundstück übernehmen. Die nun sehr sorgfältig vorgenommenen Grabungsarbeiten wurden im Sommer und Herbst 2008 sowie im Frühjahr 2009 weitergeführt. Es wurden mindestens drei verschiedene Kirchenbauten nachgewiesen und über 350 Gräber geborgen. Die Gebeine wurden im Herbst 2009 auf dem Friedhof St. Josef wieder bestattet.

Leider befand sich der nördliche Teil der Kirchengrundmauern und des Friedhofs unter dem Wohnhaus an der Possenhofener Straße 1, das bereits um 1960 errichtet worden war. Dabei war hier der archäologische Befund ohne eine vorherige Dokumentation zerstört worden.

Aus konservatorischen Gründen wurden die Grabungen wieder zugeschüttet.  An der Oberfläche wurde eine Grünfläche mit den nachgebildeten Grundrissen der Kirche gestaltet. Diese archäologische Freigelände konnte im September 2010 der Öffentlichkeit übergeben werden. Das Gelände kann von Dienstag bis Sonntag zwischen 10.00 und 17.00 Uhr betreten werden, außerhalb dieser Zeiten kann man aber auch von der Straße aus die Grundrisse überblicken.

Einweihung des Bodendenkmals

Der Friedhof

Ausgrabung von Gebeinen

Der die Kirche umgebende Kirchengrund diente für mehr als 1000 Jahre den Starnbergern dazu, ihre Toten zu bestatten. Das untersuchte Areal umfasst nur etwa ein Drittel der ursprünglichen Fläche des Kirchhofs. Die nördlich und östlich gelegenen Gräber des Friedhofs wurden bei verschiedenen Baumaßnahmen im 20. Jahrhundert zerstört.

Auf dem erhaltenen Teil des Kirchhofs konnten 365 Bestattungen geborgen werden. Bei den ältesten Gräbern handelt es sich um sog. Tuffsteinplattengräber. Diese Bestattungsform war im frühen Mittelalter für die Verstorbenen der bajuwarischen adeligen Oberschicht üblich. Ein Tuffsteinplattengrab ist nachweisbar dreimal belegt worden, zum ersten Mal in der Mitte des 7. Jahrhunderts. Daneben sind aber auch schon reine Erdbestattungen aus dieser frühen Zeit nachzuweisen.

Eine deutliche Erweiterung der Friedhofsfläche nach Südosten und eine verstärkte Bestattungsaktivität sind etwa ab dem Jahr 1000 festzustellen. Zwei Drittel der geborgenen Toten waren zwischen dem 7. und 16. Jahrhundert hier beerdigt worden, ein Drittel der Gräber wurde vom 16. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert angelegt. Einige Gräber sind in der Kirche gefunden worden. Es dürfte sich bei diesen Toten wohl um Starnberger Pfarrer gehandelt haben.

Nach der Fertigstellung der St.-Josefs-Kirche 1766 wurde dann der dort befindliche Kirchhof für Bestattungen der Starnberger genutzt. Die Belegung des Friedhofs St. Benedikt dürfte spätestens um das Jahr 1800 geendet haben.

Die Gräber

Kleine Gürtelschnalle (14.-15. Jh.)

Die Anfänge des Kirchhofs von St. Benedikt im 7. Jahrhundert liegen in einer Zeit, in der die Bajuwaren ihrem Brauch entsprechend in der Regel noch mit reichen Beigaben
bestattet wurden. In Starnberg sind die frühen Gräber aber alle beigabenlos. Die hier gefundenen Tuffsteinplattengräber waren aufwändige und kostspielige Grabbauten. Wie Grüfte konnten sie mehrfach belegt und über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Dieser Grabtyp wurde in Oberbayern für die adelige Oberschicht noch bis in das 9./10. Jahrhundert genutzt.

Die Toten wurden mit seitenparalleler Armhaltung in die steinernen Grabkammern gelegt. Gleiches praktizierte man bei den frühen Erdbestattungen. Wohl etwas später kamen bei der Beerdigung die Unterarme mit den Händen auf den Oberschenkeln zu liegen. Um 1300 änderte sich diese Sitte erneut, die Arme wurden nun im
Bauch- und unteren Brustbereich übereinander gelegt. Ab dem 16. Jahrhundert wurden die Hände in der Regel im oberen Brustbereich gefaltet. Normalerweise handelt es sich hier auf dem Friedhof um Einzelgräber, nur in wenigen Fällen konnten Doppel- oder Dreifachbestattungen festgestellt werden.

Wurden im Früh- und Hochmittelalter fast alle Toten im Leichentuch oder Leichenhemd beerdigt, so konnten ab dem Spätmittelalter vermehrt Beerdigungen in Holzsärgen festgestellt werden. Die Gräber der im Hoch- und Spätmittelalter Verstorbenen sind durchwegs ohne besondere Beigaben. Mitunter wurden den Toten jedoch sog. Paternosterketten mitgegeben oder ihre Eheringe am Finger belassen.

Im Spätmittelalter setzte dann die Sitte ein, die Toten wieder in voller Kleidung zu bestatten, wovon vor allem Miederhäkchen oder – seltener – Gürtelschnallen zeugen. Bei den frühneuzeitlichen Bestattungen des 16. bis 18. Jahrhunderts wurden den Toten oftmals Rosenkränze, religiöse Medaillen, Anhänger aus Buntmetall und einfacher Schmuck mit ins Grab gelegt. Zudem kommen nun sehr viel öfter Reste der Kleidungsstücke wie Gewandhaken, Knöpfe, Schuhschnallen und zahlreiche Miederhäkchen vor, was für eine Beerdigung der Toten in der frühen Neuzeit im „Sonntagsgewand“ spricht.

Ihr Ansprechpartner
Kontakt

Kulturamt

Annette Kienzle
Leiterin des Kulturamtes
Hauptstrasse 10a
82319 Starnberg

T
F
08151/772-110
08151/772-310
E-Mail senden
Kontakt

Bodendenkmal St. Benedikt

Bodendenkmal St. Benedikt
Possenhofener Str. 3
82319 Starnberg

Öffnungszeiten

 

Di - So10:00 - 17:00 Uhr
Anfahrt
Diese Website verwendet Cookies

Wenn Sie der Cookie-Nutzung zustimmen, können wir unsere Inhalte nach Ihren Bedürfnissen gestalten. Jegliche Auswertung erfolgt anonymisiert. Mehr Informationen über Cookies und die Option, der Cookie-Verwendung zu widersprechen enthält unsere Datenschutzerklärung.

Verstanden & Akzeptiert
Mehr Infos