vor 1851

Blick auf den Burgberg

Bereits um das Jahr 600 herum existierte an der Stelle des heutigen Museums ein Friedhof. Zu diesem gehörte spätestens ab dem 7./8. Jahrhundert auch eine Kirche, die spätere St. Benedikt. Der Fund der Grabstellen bedeutete, dass der Gründungszeitraum Achheims wahrscheinlich schon vor dem Jahr 600 anzusetzen ist. Urkundlich wurde der Ort erstmals 948/957 in den Freisinger Traditionen als „Ouiheim“ oder „Ouviheim“ erwähnt, danach erschien er erst wieder im 11. Jahrhundert in einer Verlustliste des Klosters Benediktbeuern als „Oucheim“. Im 12. Jahrhundert wurde für die Grafen von Andechs, welche die Gegend beherrschten, auf dem Hügel über Achheim eine Burg errichtet. In die Zeit unter den Andechsern fiel auch die erste Erwähnung „Starnberchs“ (für das Gebiet des Tutzinger Hofplatzes) 1225/1226 sowie des „castrum Starnberch“ (Burg Starnberg) 1244. Im Laufe der Jahre wurde Starnberg immer mehr zum alleinigen Namen des Dorfes.

Im Jahr 1246 endete die Herrschaft der Andechser, an ihre Stelle traten nun die Wittelsbacher. Diese entdeckten Starnberg ab dem 14. Jahrhundert immer mehr als Sommersitz für sich. Daraus resultierten zahlreiche Umbauten der Burg, so dass in den Baurechnungen der Hofkammer von 1514 nur noch von einem „Schloss“ die Rede war. In der „Topographia Bavariae“ wurde es sogar um 1560 zum geschmackvollsten in Oberbayern gekürt. Die Erweiterungen um ein Sommerhaus und ein Gerichtsgebäude im 15./16. Jahrhundert zeugten von der wachsenden Bedeutung des Standortes. Zur sommerlichen Unterhaltung des Hofes und zur Jagd auf Seevögel und Wildtiere wurde ab dem Ende des 15. Jahrhunderts eine Flotte aufgebaut. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellte der Bucentaur (1663-1758) dar, welcher von 128 Ruderern bewegt wurde. Zur Versorgung stachen mit dem „schwimmenden Jagdschloss“ teilweise 20-30 Schiffe in See.

Mit dem Bau der Pfarrkirche St. Josef zwischen 1764 und 1766 an der Stelle des Sommerhauses war das Ende für St. Benedikt gekommen. Bis auf den Chorraum wurde die Kirche zerlegt und als Materiallager für das neue Gotteshaus verwendet. Neben diesem wurde 1812 das erste Schulgebäude Starnbergs errichtet, nachdem 1803 das Dorf bereits Poststation geworden und das Schloss vom Rentamt (Finanzamt) in Besitz genommen worden war.

1851-1945

Undosa Wellenbad

Die Entwicklung Starnbergs wurde wohl von niemandem mehr geprägt als von Johann Ulrich Himbsel, der mit der Dampfschiffart und der Eisenbahn die Entwicklung des Ortes rasant beschleunigte. Am 11. März 1851 wurde das erste Dampfschiff am Starnberger See im Beisein des Königs vom Stapel gelassen. Knapp 3 ½ Jahre später wurde am 28. November 1854 ebenfalls im Beisein von Maximilian II. die Bahnstrecke München-Starnberg eröffnet. Welche Auswirkungen v.a. die Eröffnung der Bahnstrecke auf Starnberg hatte, zeigt schon, dass zwischen 1840 und 1852 die Bevölkerung um 8 Prozent, zwischen 1852 und 1864 hingegen um 38,3 Prozent gewachsen war.

Der Bevölkerungszuwachs beflügelte auch andere Entwicklungen. So wurde bereits 1862, und damit noch vor München, eine freiwillige Feuerwehr gegründet. Der wachsenden protestantischen Gemeinde stand ab 1875 ein eigener Betsaal zur Verfügung, der 1892 zur „Friedenskirche“ ausgebaut wurde. Ebenfalls ab 1875 wurden die Bürger durch den „Land- und Seeboten“ auf dem Laufenden gehalten, welcher über 70 Jahre das einzige  Informationsblatt im Landkreis blieb. 1890 wurde die Ortsstraße kanalisiert, außerdem wurde zu dieser Zeit mit der Regulierung des Georgenbachs begonnen. Dieser lieferte das Wasser, welches zum Betrieb des neuen Elektrizitätswerkes in der heutigen Mühlbergstraße benötigt wurde. Ab 1897 konnten Starnbergs Straßen elektrisch beleuchtet werden. Eine weitere technische Neuheit präsentierte 1905 das „Undosa-Wellenbad“ mit Deutschlands erster Wellenmaschine.

Die Entwicklung des Dorfes gipfelte 1912 in der Ernennung zur Stadt, was sich unter anderem in einem neuen Wappen (dem heutigen Star auf dem Dreiberg) manifestierte. Die Erhebung wurde am 11. und 12. März 1912 zusammen mit dem 91. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold gefeiert. 1914 eröffnete sein Nachfolger Ludwig III. das „Würmgaumuseum“ im Lochmann-Haus. Der revolutionäre Geist der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, der auch das Ende der Monarchie bedeutete, fand 1918/1919 in Starnberg in Form von Arbeiterräten seinen Niederschlag. Dieser kurze Abschnitt der Starnberger Geschichte wurde von Regierungstruppen blutig beendet; insgesamt ermordeten sie 29 Revolutionäre.

1924 bekam die Seepromenade durch Aufschüttungen, welche im Zuge des Baus des Undosa-Restaurants vorgenommen wurden, ihr heutiges Gesicht. Bereits in die Zeit des Dritten Reiches fiel die Eröffnung der Kirche „St. Maria“ am Kirchplatz. Der zweite Weltkrieg suchte am 7. September 1943 und am 13. Juni 1944 die Stadt durch Bombenabwürfe heim, durch die neun Menschen starben. Aber auch Verfolgung und Unterdrückung machten keinen Halt an den Stadtgrenzen. Den Bürgern von Percha wurde dies beispielsweise am 27./28. April 1945 gewahr, als ein Elendszug aus Dachauer Häftlingen durch ihre Straßen getrieben wurde. Erst der 30. April 1945 brachte die Befreiung Starnbergs aus den Händen des Nationalsozialismus durch die Amerikaner.

1945 bis heute

Das neue Stadtarchiv Starnberg

Da durch Flüchtlinge und Evakuierte die Bevölkerung Starnbergs deutlich angewachsen war, wurde Anfang der 50er Jahre ein Neubau der Kläranlage sowie der Kanalisation in Angriff genommen. Mit der Fertigstellung 1956 verfügte die Stadt nicht nur über eine moderne Abwasserbehandlungsanlage, sondern auch über eine Gesamtkanalisation. 1971 wurde dann die heute noch in Betrieb stehende Anlage errichtet.

1964 übernahm die Stadt die Patenschaft für das Unterseeboot „U29“ (ehemals „U8“). Im Laufe der Jahre folgten die Patenschaften für den Airbus „Starnberg“ (1990) und für das U-Boot „U34“ (2005).

1972 erfolgte die freiwillige Eingemeindung der Gemeinde Hanfeld, der 1978 im Zuge der Gebietsreform die Eingemeindungen der Gemeinden Hadorf, Leutstetten, Percha, Perchting mit Landstetten, Söcking und Wangen folgten. Ebenfalls in den 70er Jahren, nämlich 1977, wurde die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Dinard geschlossen. Diese wird bis heute u.a. von dem Verein „Die Freunde von Dinard“ gepflegt und findet jährlich nicht zuletzt in der "Französischen Woche", in der Woche um Christi Himmelfahrt, ihren Ausdruck.

1985 erfolgte die Wiedereröffnung des Museums unter dem Namen „Heimatmuseum Stadt Starnberg“, nachdem bereits seit Mitte der 50er Jahre Rufe nach einer Neuorganisation laut geworden waren. 2008 erhielt die Institution im Zuge der Eröffnung des Erweiterungsbaus den Namen „Museum Starnberger See“. Neben dem Museum wurde 2010 das „Bodendenkmal St. Benedikt“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; dort wird dem Besucher durch eine Abbildung der Kirchengrundrisse sowie Infotafeln die wahrscheinlich älteste Kirche Starnbergs näher gebracht.

Weitere Meilensteile in kultureller Hinsicht waren die Eröffnung der Stadtbücherei im Alten Rathaus 1993, die Eröffnung der Schlossberghalle 1995, die Einweihung des Bodendenkmals einer Villa Rustica in Leutstetten 2004 sowie die Eröffnung des neuen Stadtarchivs 2009. Für die Jugendlichen der Stadt wurde 2010 der Jugendtreff Nepomuk eingerichtet, der mit einem breiten Angebot und vielen Freizeitaktivitäten lockt.

Mit dem Bahnhof Starnberg Nord steht seit 2001 ein zweiter S-Bahn-Halt in der Stadt zur Verfügung, der durch sein angeschlossenes Parkhaus für eine Entlastung der Haltestelle Bahnhof See sorgt. Die seit 2016 im Bau befindliche Westumfahrung zielt ebenso auf eine Verkehrsentlastung der Innenstadt ab.

Seit 2014 ist Starnberg Modelkommune für das Projekt „Bayern Barrierefrei 2023“, dessen Ziel es ist, auch mobilitätseingeschränkten Personen den öffentlichen Raum im Alltag besser zugänglich zu machen.

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