Starnbergs Geschichte erleben ...

Bereits seit 2005 können Interessierte die Geschichte der Stadt Starnberg durch den Kulturspaziergang an bis zu 22 verschiedenen Stationen nachverfolgen. Der große Spaziergang dauert rund 1 ½ Stunden und hat planmäßig 18 Haltepunkte. Mit elf Stopps und einer Länge von knapp 45 Minuten ist der zweite Weg deutlich kürzer, dafür jedoch barrierefrei. Beide Spaziergänge können durch Erweiterungen ausgedehnt werden. Für jede Station haben Kulturamtsleiterin Annette Kienzle, Ortshistoriker Herbert Schmied und Stadtarchivar Wolfgang Pusch interessante historische Fakten zusammengestellt, die dem Wanderer auf Tafeln präsentiert werden. Diese sind barrierefrei gestaltet und auch für Rollstuhlfahrer gut zugänglich.

Die unterschiedlichen Spaziermöglichkeiten sind auf einem Stadtplan zu finden, der bei der Tourist-Info, in der Schlossberghalle, beim Bürgerservice im Rathaus oder beim städtischen Kulturamt ausliegt. Eine Übersicht über die Wege sowie die einzelnen Tafeln finden Sie unten im Download-Bereich. Folgende Stationen bilden den Spaziergang:

1 Bahnhof

Der Bahnhof war die Endhaltestelle der 1854 eröffneten Eisenbahnstrecke München – Starnberg. Der Architekt und Bauunternehmer Johann Ulrich Himbsel (seit 1827 Besitzer einer Sommervilla in Leoni, am Ostufer des Sees) baute in weniger als einem Jahr die damals einzige privat finanzierte Bahnlinie Bayerns. Die neue Verkehrsverbindung war der ausschlaggebende Faktor für eine rasante Bevölkerungsentwicklung Starnbergs. Seit 1972 ist die Strecke in das Verbundnetz der Münchener S-Bahnen einbezogen.

2 Dampfersteg

Mit dem ersten Dampfschiff „Maximilian“ begann 1851 der regelmäßige Schiffsverkehr auf dem Starnberger See. Der von der Fabrik „J. A. Maffei“ in München erbaute Schaufelraddampfer wurde von einer holzbeheizten Dampfmaschine angetrieben und erreichte mit 80 PS eine Geschwindigkeit von 14 km/Stunde. Das Schiff bot in zwei Unterdecksalons für die I. und II. Klasse maximal 300 Passagieren Platz. Zwei Sonderkabinette waren für den Aufenthalt des Königs und der Königin reserviert.

3 Undosa

An dieser Stelle stand das wohl erste Wellenbad Deutschlands, gebaut im Jahr 1905. Mitte des 19. Jahrhunderts war hier bereits ein Seebad für die zahlreichen Ausflügler aus München errichtet worden. Dieses Bad wurde in den folgenden Jahrzehnten als touristische Attraktion immer weiter ausgebaut und durch eine Gastronomie ergänzt. Nach dem Abbruch des Bades 1981 besteht heute nur noch der Restaurationsbetrieb, der aber mit seinem Namen an das „Undosa“-Bad (lateinisch:„die Wellenreiche“) erinnert.

4 Seepromenade

Die heutige südliche Seepromenade ist in zwei Aufschüttungen in den Jahren 1890 und 1924 entstanden. Seit 1907 findet hier nahe dem Ufer in 5-jährigem Turnus das „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen“ statt. Bei diesen Wettkämpfen handelt es sich um ein Turnier, das ausschließlich den Berufsfischern am Starnberger See vorbehalten ist. Die Boote werden dabei am Heck mit einem Standbrett ausgestattet, auf dem der „Stecher“, frei über dem Wasser stehend und von seinem Ruderer geschickt geführt, mit einer langen, gepolsterten Holzstange seinen Gegner ins Wasser zu stoßen versucht. Der im Ausscheidungsverfahren ermittelte Sieger wird zum „Fischerkönig“ gekürt.

5 Lochmannhaus / Museum Starnberger See

Das Haus war bis Anfang des 20. Jahrhunderts das Wohn- und Wirtschaftsgebäude eines Bauernhofs mit dem Hausnamen „Lochmann“. Zum Hof gehörten Äcker, Wiesen, Wald und ein Bootsschuppen am See. Auf dem Anwesen lag zusätzlich noch das Recht zu fischen. 1865 schnitt die Weiterführung der Bahnlinie nach Tutzing das Haus vom See ab.

6 Marienbrunnen / Achheimviertel

Der Name Aham (Achheim) deutet auf das aus zwei Ortsteilen zusammengewachsene Starnberg hin. Eine der beiden Siedlungen war ein kleines Dorf von Bauern- und Fischerhäusern in unmittelbarer Nähe des Sees. Die andere Ansiedlung lag unterhalb der einstigen Burg, dem heutigen Schloss Starnberg. Der hier 1912 aufgestellte Marienbrunnen ist ein Geschenk des Apothekers Vincenz Gresbek, der seine „Drogerie“ in der ehemaligen Villa gegenüber des Bahnhofs Starnberg hatte.

6a Kirche St. Maria

Die heutige Stadtpfarrkirche St. Maria, Hilfe der Christen, ist der vierte Bau eines katholischen Gotteshauses in Starnbergs Geschichte. Die ältesten beiden Kirchen, St. Georg am Standort der heutigen Almeida-Villa und St. Benedikt nahe dem Museum (siehe Schild 5), wurden Ende des 18. Jahrhunderts profaniert und später abgebrochen. Die dritte Kirche Starnbergs ist St. Josef auf dem Schlossberg.

7 Pfarrhof / Villa Linprun

Der katholische Pfarrhof Starnberg ist eines der wenigen heute erhaltenen Häuser, die an das ländliche Starnberg erinnern. Das Gebäude zeigt seine Herkunft vom hiesigen Bauernhaus und beweist, dass Pfarrhöfe bis weit in das 19. Jahrhundert meistens mit einer eigenen Landwirtschaft verbunden waren. Südlich des Pfarrhofes steht die Villa Linprun, eine der wenigen erhaltenen frühen Villen Starnbergs.

8 Altes Krankenhaus / Altersheim / Musikschule

Hier stand ab 1843 das erste so genannte „Asyl“ (Krankenhaus) Starnbergs. 1861 erhielten Ordensschwestern die Aufsicht in diesem Haus. Nachdem ein neues Krankenhaus an der Leutstettener Straße errichtet worden war (an der Stelle des heutigen Gymnasiums Starnberg), diente das Haus als Altersheim. Die unteren Stockwerke wurden zeitweise als Schulräume der nahegelegenen Schlossbergschule und als „Kinderbewahranstalt“ genutzt.

9 Schlossbergschule

Seit über 125 Jahren gehen fast täglich Kinder in ihre „Schlossbergschule“. Schulunterricht in Starnberg gibt es jedoch wahrscheinlich schon seit dem 16. Jahrhundert. Als Schulhäuser dienten nacheinander verschiedene Gebäude, wie z. B. der sog. „Futterkasten“ zwischen Vordermühle und Schlossstallungen oder das herzogliche „Jägerhäusl“ am heutigen Tutzinger-Hof-Platz.

10 Kirche St. Josef

Auf dem Platz des ehemaligen Tanz- und Gästehauses des Schlosses steht seit 1766 die dritte Kirche Starnbergs. Kurfürst Max III. Josef (reg. 1748 – 1777) ließ das alte Gebäude abbrechen und schenkte den Starnbergern das Grundstück sowie Ziegelsteine zum Neubau dieser Kirche. Sie wurde dem Hl. Josef, 1763 zum Schutzpatron Bayerns ausgerufen, geweiht.

11 Schlossgarten / Burggraben

Den heute wieder im Renaissancestil angelegten Garten des ehemaligen Schlosses Starnberg umgibt eine schon im 16. Jahrhundert auf Gemälden sichtbare Mauer mit mehreren Ziertürmen. Garten und Schloss trennt ein wesentlich älterer Graben, der wohl schon zu der Zeit entstanden ist, als das Schloss noch eine Burg war. Die heutige Verbindung zwischen Garten und Schloss, ein Viadukt mit drei Backsteinbögen, stammt aus dem 18. Jahrhundert.

12 Schloss Starnberg

Erstmals wurde das Schloss Starnberg im Jahr 1244 als „Starnberch castrum“ erwähnt. Es ging dabei um eine Auseinandersetzung der Grafen von Andechs mit den Wittelsbacher Herzögen, die auf der „Karlsburg“ über dem Mühlthal bei Leutstetten saßen. Auf beiden Burgen verteidigten „Ministerialen“ die Interessen ihrer Herren und waren deshalb mit den strategisch wichtigen Burgen belehnt worden. 1246 gelang es den Wittelsbachern, die Starnberger Burg zu erobern.

13 Landrichterhaus

Das vermutlich 1783 erbaute „Landrichterhaus“ wurde von Josef Anton Weltin von Rosen als Wohnhaus errichtet. Weltin von Rosen war von 1783 bis 1803 der letzte Pfleger (Verwalter der kurfürstlichen Güter und des Schlosses in Starnberg), Landrichter, Seerichter und Kastner (Steuerverwalter), des seit dem 14. Jahrhundert geschaffenen Verwaltungs- und Gerichtssitzes „Landgericht Starnberg“.

14 Vordermühle / Gefängnis

Bereits vor über 500 Jahren standen in Starnberg zwei Mühlen: Vorder- und Hintermühle. Beide Mühlen wurden durch die Wasserkraft des Georgenbachs angetrieben. Heute steht hier noch das Gebäude der ehemaligen Vordermühle. Die Starnberger Hintermühle lag nur wenige hundert Meter entfernt, an der heutigen Mühlbergstraße, und musste dort 1897 dem Bau eines Elektrizitätswerks weichen, das wiederum 1998 abgebrochen wurde. In der unmittelbaren Nachbarschaft der Vordermühle befand sich bis 1956 das Starnberger Gefängnis.

15 Tutzinger-Hof-Platz

An diesem Platz steht eines der ältesten Gebäude Starnbergs, der „Tutzinger Hof“. Die ehemals als „Hoftaverne“ bezeichnete Gastwirtschaft wird erstmals Ende des 15. Jahrhunderts erwähnt und ist bereits auf der frühesten Darstellung Starnbergs, einem Fresko von 1590 im Antiquarium der Münchener Residenz, abgebildet. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Platz in seiner heutigen Form.

16 Georgenbach / Gasthof Pellet-Mayer

Der vom Maisinger See gespeiste Bach, der ab der Einmündung des Siebenquellenbaches (siehe Station 7) Georgenbach heißt, zeigte sich bis zu seiner Kanalisierung im Innenstadtbereich immer wieder als reißender Fluss, der des öfteren Straßen und Häuser in Starnberg unter Wasser setzte. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand 1971 noch das Gasthaus „Pellet-Mayer“, in dessen Nebenräumen u. a. Starnbergs erstes Kino untergebracht war.

16a Bucentaur Stadl / Schiffmeisterhaus

Auf dem Gelände des 1888 gegründeten Bayerischen Yachtclubs steht noch heute der so genannte „Bucentaur Stadl“. Die Vorläuferin dieser wohl aus dem Jahr 1803 stammenden Schiffshütte beherbergte ursprünglich das größte historische Prunkschiff – den „Bucentaur“. An der Zufahrt zum Stadl steht das 1724 erbaute Schiffmeisterhaus“, in dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts der verantwortliche Kapitän der höfischen Flotte wohnte.

16b Landratsamt Starnberg

Das Landratsamt, ein „Haus des Bürgers“, ist Sitz der Verwaltung des Landkreises Starnberg. Die Aufgaben des Landkreises liegen in der Bewältigung von kommunalen Angelegenheiten, die über diejenigen der örtlichen Gemeinschaften hinausgehen.

Das jetzige Amtsgebäude wurde 1987 nach einem Entwurf des Architekturbüros Auer + Weber errichtet, der mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet wurde. Davor befanden sich auf dem Gelände ein Sägewerk und ein Fußballplatz.

16c Friedenskirche

Die 1892 erbaute Kirche ist das Gotteshaus der evangelischen Gemeinde in Starnberg. Diese Kirche ersetzte eine kleines im Jahr 1875 errichtetes Kirchlein, welches schon nach wenigen Jahren baufällig geworden war. 1911 löste sich die Filialgemeinde Starnberg von der protestantischen Pfarrei München und wurde zur selbstständigen Pfarrgemeinde mit eigener Pfarrstelle erhoben.

17 Villen in Starnberg

Die Entwicklung des kleinen Bauern- und Fischerdorfes Starnberg zum attraktiven Villenort begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Fertigstellung der Bahnverbindung nach München im Jahre 1854 beschleunigte den Villenbau in Starnberg.

Über der Stadt thront das Schloss Starnberg (Station 12), als Burg im Jahr 1244 erstmals erwähnt. Im Besitz der Wittelsbacher wurde die Burg zum Schloss umgebaut und als Sommerresidenz des Hofes genutzt. 1803 zog die staatliche Finanzverwaltung in das Schloss ein.

18 Hotels in Starnberg

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt Starnberg als vornehmes Reiseziel vieler „Sommerfrischler“. Die häufige Anwesenheit des bayerischen Königshauses am See, die Gastlichkeit zahlreicher Hotels der gehobenen Klasse sowie ein abwechselungsreiches „Freizeitangebot“ wie Dampferfahrten, Besuche des Undosa-Wellenbades und abendliche Promenadenkonzerte spielten für die Wahl Starnbergs als Erholungsort eine entscheidende Rolle.

Oberhalb Starnbergs (neben dem Schloss) fällt der Blick auf die 1766 erbaute Kirche St. Josef (Station 10). Sie steht an der Stelle des im 16. Jahrhundert erbauten Tanz- und Gästehauses des Schlosses Starnberg. Ein prächtiger Altar, ein Werk des bedeutendsten bayerischen Rokokobildhauers, Ignaz Günther, ziert ihren Innenraum

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