Das Leutstettener Moos - Natur und Kultur erleben ...

Seit 2005 ist das Leutstettener Moos durch einen knapp 12 km langen Rundweg mit bis zu 16 Stationen für Interessierte erschlossen. Für jede Station haben Kulturamtsleiterin Annette Kienzle, Ortshistoriker Herbert Schmied und Stadtarchivar Wolfgang Pusch interessante Fakten zusammengestellt, die dem Wanderer auf Tafeln präsentiert werden. Diese sind barrierefrei gestaltet und auch für Rollstuhlfahrer gut zugänglich.

Die Spaziermöglichkeit ist auf einem Stadtplan zu finden, der bei der Tourist-Info, in der Schlossberghalle, beim Bürgerservice im Rathaus oder beim städtischen Kulturamt ausliegt. Eine Übersicht über den Weg sowie die einzelnen Tafeln finden Sie unten im Download-Bereich. Folgende Stationen bilden den Spaziergang:

1 Naturschutzgebiet Leutstettener Moos

Das Naturschutzgebiet Leutstettener Moos erstreckt sich auf einer Fläche von 180 ha beidseits des hier beginnenden Flusses, der „Würm“, zwischen den Würmbrücken bei Percha und Leutstetten. Seine Hauptfläche liegt östlich der Würm, am Westufer reicht das Gelände der Kläranlage bis an den Fluss und unterbricht den geschützten Saum parallel zum Ufer.

2 Die Tierwelt – unauffällige Raritäten im Naturschutzgebiet

Die Ausweisung als Naturschutzgebiet erfolgte nicht, weil hier große und auffallende Tiere zu schützen gewesen wären. Wesentlicher war, kleinen und eher unauffälligen Tierarten durch Schutz und Pflege ihres Lebensraumes ein Fortleben zu ermöglichen. Es sind das z. B. Schmetterlingsarten, für deren ganz spezielle Futterpflanzen Sorge zu tragen ist, Libellen, Amphibien (der Springfrosch) und eine seltene Schneckenart. Während der Brutzeit der Wasservögel muss für Ruhe im Röhricht gesorgt sein. Auch als Rastplatz von Zugvögeln ist das Moos bedeutsam. Ob sich eines Tages auch der Biber einstellt, der sich inzwischen wieder ausbreitet?

3 Die Orchideenwiese – Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet

Würde man das Naturschutzgebiet einfach sich selbst überlassen, so würde sich die Vegetation mancher Teile rasch weiterentwickeln und vielleicht ihren schützenswerten Charakter verlieren. Es würde Gebüsch zunehmen, Bäume würden hinzukommen und statt einer offenen, sonnenbeschienenen Fläche würden sich Schattenbereiche ausbreiten, die manche Pflanzen nicht mehr vertragen. Es gehört daher für bestimmte Teile des Naturschutzgebietes regelmäßige Mahd (im Ein- oder Dreijahres-Rhythmus) zum Schutzprogramm. Dabei ist die Schonung bestimmter (Futter-) Pflanzen für zu schützende Tiere besonders zu beachten.

4 Röhrlbach – Verlandung eines Sees

Das Naturschutzgebiet Leutstettener Moos ist weitgehend aus der Verlandung des Nordteils des Starnberger Sees entstanden. Unterschiedliche Vorgänge können zur natürlichen Verlandung eines Sees führen:

  • der Wasserspiegel des Sees sinkt ab, z. B. weil sich der Abfluss, hier die Würm, eintieft,
  • in den See mündende Gewässer bringen Geröll, Sand und Schlamm mit, die sich absetzen und den See verlanden lassen (dieser Vorgang spielt für den Ammersee eine viel größere Rolle als für den Starnberger See),
  • im flachen Wasser gedeihen Pflanzen, deren Reste sich teilweise am Seegrund anhäufen und umwandeln.

5 Waldgeschichte – von der Eiszeittundra zum Fichtenforst

Als die Gletscher der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren zurückwichen, besiedelte zunächst niedere Tundravegetation die freigewordenen Steinschuttflächen. Allmählich wanderten aus eisfrei gebliebenen Gebieten Baumarten ein, zunächst Kiefer und Birke, deren Samen der Wind weit trägt. Langsame Klimaänderungen ließen immer wieder andere Holzarten zur Vorherrschaft gelangen. Zuletzt hätte ein Mischwald mit überwiegender Buche die Hügelzüge um den See bedeckt, wenn nicht der Mensch durch Nutzungen (z. B. Rodung und Waldweide) eingegriffen und schließlich weithin einen Nadelholzforst gepflanzt hätte.

6 Das Leutstettener Moos und seine Moor- und Torfarten

Das Leutstettener Moos ist eine vielfältige Landschaft mit Wäldchen, Streuwiesen, Wasserläufen, Sumpf- und Moorflächen, die großenteils aus der Verlandung der Nordbucht des Starnberger Sees entstanden ist. Die Verlandung führte zu unterschiedlichen Moorformen („Niedermoor“, „Hochmoor“) mit zugehörigen, besonderen Torfarten, die auch abgebaut wurden. Etwas abseits kann man noch Spuren des Torfstichs im 19. und 20. Jahrhundert finden.

7 Villa Rustica

8 Schloss und Dorf Leutstetten

„Liucilstat“ („kleine Stätte“, kleiner Ort) wird erstmals in einer Schenkung der fränkischen Prinzessin Kysila (wahrscheinlich eine Schwester Karls des Großen) an das Kloster Benediktbeuern um 800 n. Chr. erwähnt. Der herzogliche Rat und Kämmerer Hans Urmiller ließ 1565 das Schloss erbauen. Wenige Jahre später erhielt er für das Dorf das Hofmarksprivileg. 1875 kaufte Prinz Ludwig, der spätere König Ludwig III., das Schloss. Hier lebte von 1934 bis zu seinem Tod 1955 (mit Unterbrechung während der NS-Zeit) Kronprinz Rupprecht von Bayern.

9 Kirche St. Alto

Leutstetten gehörte wohl von Anfang an, nachweislich seit 1315, zur Pfarrei Buchendorf / Gauting. Die Kirche ist dem Heiligen Alto geweiht, der im 8. Jahrhundert n. Chr. als Einsiedler im Dachauer Hinterland gelebt und das Kloster Altomünster begründet hatte. Besondere Beachtung verdienen in dieser Kirche das Relief am linken Seitenaltar, ein unter dem rechten Seitenaltar eingemauerter, aus römischer Zeit stammender Grabstein sowie ein Votivbild der drei Heiligen Frauen.

10 Würm, Würmsee und Würm-Eiszeit

Die Würm ist sozusagen der Überlauf des Starnberger Sees, der früher „Würmsee“ („Wirmsee“) hieß. Da sich in diesem See nur das Niederschlagswasser eines verhältnismäßig kleinen Gebietes sammelt, ist die herausfließende Wassermenge auch nicht besonders groß, die Würm ist ein kleiner Fluss. Für die Wasserstände im See und in den Gebieten, wo er verlandet, also besonders im Leutstettener Moos, ist die Würm aber entscheidend wichtig. Außerdem hat sie der letzten großen Eiszeit, die vor rund 10000 Jahren ausklang, ihren Namen „Würm-Eiszeit“ gegeben.

10a Tal der Mühlen – Karlsburg

Die Obere und die Untere Mühle im Mühlthal werden bereits 1231 / 1237 als „Mühlen unter dem Karlsberg“ im Besitz der wittelsbachischen Herzöge urkundlich erwähnt. Auf dem Karlsberg stand spätestens seit 1172 die herzogliche Karlsburg, die zur Befestigung des Würmtals gegenüber den Burgen Starnberg und Delling der Grafen von Dießen-Andechs diente.

10b Ehemaliger Bahnhof Mühlthal

Der Bahnhof Mühlthal ist während der 1854 eingerichteten Eisenbahnlinie von München nach Starnberg von dem Architekten Friedrich Bürklein erbaut worden. Mühlthal, nahe Schloß Leutstetten gelegen, zählt zu den ehemals „königlichen Bahnhöfen“, und zeichnet sich durch eine reizvolle Architektur mit dekorativen Details aus. Die Haltestelle wurde Ende 2004 stillgelegt.

11 Wildbad Petersbrunn

Die bestehende Kapelle St. Peter wurde 1513 erbaut. Sie steht über einer Quelle, deren Wasser für heilkräftig gehalten und in zunehmendem Maße von Kranken aufgesucht wurde. Daraus entwickelte sich ein Badebetrieb mit zahlreichen Nebengebäuden. Das Mahnmal des Künstlers Walter Habdank erinnert an den „Todesmarsch“ vom April 1945. Hier wurden in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau in Richtung Gebirge vorbeigetrieben. Bei Waakirchen befreiten amerikanische Streitkräfte die Gefangenen.

11a Gut Rieden

Der Weiler Rieden, auf dieser Hügelkuppe gelegen, um die sich einst ein Gletscherabfluss wand, bestand in seiner mehr als tausendjährigen Geschichte immer nur aus wenigen Höfen. Besitzer waren schon früh die Wittelsbacher, von ihnen gelangte der Besitz an das Kloster Fürstenfeld und dann an das Kloster Schäftlarn. Nach der Säkularisation 1803 und mehreren Zwischenbesitzern erwarb Prinz Ludwig (der spätere bayerische König Ludwig III.) das Anwesen. Er ließ hier ein landwirtschaftliches Mustergut einrichten, welches u. a. in der Milchviehhaltung wegweisend war.

12 Kläranlage – sauberes Wasser für See und Fluss

13 Bienenzucht – Schaubienenkasten

Die Honigbienen liefern uns neben dem begehrten Honig auch Pollen, Gelée Royale, Wachs, Propolis und Bienengift. Beim Sammeln von Nektar und Pollen bestäuben die Bienen die von ihnen besuchten Pflanzen. Etwa 85 % aller insektenblütigen Pflanzen werden so von den Honigbienen befruchtet. Die Bienenhaltung sichert die Bestäubung und erhält damit die Vielfalt unserer Pflanzenwelt.

13a Galgensee

Das Leutstettener Moos ist ein Verlandungsmoor, das nach dem Ende der Würmeiszeit vor ca. 10.000 – 15.000 Jahren im nördlichen Teil des damals bis Leutstetten reichenden Würmsees entstanden ist. Der Galgensee ist wie der Goldsee und der Truhensee ein Restsee dieses im nördlichen Teil verlandeten Gletschersees.

 

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