Entdeckung und Ausgrabung

Anfang 2002 wurden südlich von Starnberg-Leutstetten die Reste eines römischen Gutshofes, einer Villa Rustica aus dem 2. Jh. n. Chr., ausgegraben.

Der Grundriss der Villa wurde so rekonstruiert, dass die Gesamtform des antiken Baus ablesbar ist. Von besonderer Bedeutung ist hierbei ein Raum, der eine sehr gut erhaltene Fußbodenheizung (Hypokaustum) und eine Wanne enthält. Dieser Bereich ist durch einen gläsernen Bau geschützt, der gleich einer Vitrine über den Grundriss gesetzt wurde. Die Transparenz der Glasscheiben ermöglicht von allen Punkten des frei begehbaren Geländes einen Blick auf Mauern und ausgestellte Fundstücke – unter anderem die Replik eines römischen Grabsteins.

Geschichte und Topographie

Seit dem Jahr 15 v. Chr. befand sich das Alpenvorland unter römischer Herrschaft. Ein weit verzweigtes Straßensystem mit vielen kleinen und größeren Militärposten durchzog das Land. Bratananium, das heutige Gauting, von Leutstetten nur 6 Kilometer entfernt, war ein kleiner Siedlungsschwerpunkt, den die Römer in unserer Gegend aufgebaut hatten.

An solchen Handels- und Handwerksorten gab es keine Bauernhöfe mit eigener Landwirtschaft. Die Orte wurden von Gutshöfen aus der Umgebung versorgt. Der hier freigelegte Grundriss gehörte zum Haupthaus eines solchen Gutshofes. Im Jahr 150 n. Chr. gegründet, bestand dieser Hof nur etwa 50 Jahre und wurde dann aufgegeben.

Wirtschaftsweise und Umwelt

„Nichts ist besser als die Landwirtschaft, nichts schöner, nichts angenehmer, nichts eines freien Mannes würdiger.“ (Cicero, de officiis 142.182)

Tierknochen- und Pflanzenrestfunde bei der Villa belegen, dass es sich hier um ein Landgut handelte, auf dem Ackerbau und Viehzucht betrieben wurden. Den Römern gelang es, die damals hier bekannten landwirtschaftlichen Methoden zu verbessern. Neben alten Getreidesorten wie Emmer und Dinkel bauten sie auch die ertragsreicheren Sorten wie Weizen und Roggen an. Fast heutigen Standard erreichten die Zuchterfolge bei Schweinen und Rindern.

Die Landwirtschaft nahm erstmals auf die Umwelt Einfluss. Der enorme Bau- und Brennstoffbedarf führte zu großflächigen Rodungen und in der Folge zu einer speziellen Niederwaldwirtschaft. Dabei wurden nur noch die Stockaustriebe schnellwüchsiger Arten in kurzen Abständen geschnitten. Diese Baumarten vermehrten sich entsprechend, wie die Haselnuss oder die Erle.

Der Gutshof

Der römische Gutshof (Villa Rustica) von Starnberg-Leutstetten bestand ursprünglich aus mehreren Gebäuden. Das freigelegte Wohnhaus wurde im 2. Jh. n. Chr. gebaut. Als Baumaterial verwendeten die Römer Lehm für die Ziegel sowie Tuff und Feldsteine für die Mauerfundamente.

Von anderen wieder ausgegrabenen Villae Rusticae ist bekannt, dass neben den Wohngebäuden auch Stallungen, Scheunen, Speicher, Getreidedarren und Wohnungen für das Gesinde sowie Badeanlagen existierten. Auf dem Areal wurden zwei weitere Holzgebäude entdeckt. Ein am Nordende des Ackers gefundener Mühlstein deutet auf einen Platz zur Getreideverarbeitung hin.

Der Gutshof hatte aufgrund der hier vorherrschenden mittelmäßigen Bodenqualität nur relativ bescheidene Ausmaße.

Fußbodenheizung

Die Abluft eines offenen Feuers außerhalb des Hauses wurde durch einen gemauerten Hohlraum unter die zu beheizenden Zimmer geleitet. Um einen Abzug der Luft zu gewährleisten, waren in den Wänden Hohlziegel (tubuli) eingebaut, in denen die heiße Luft nach oben strömte. Durch kleine Öffnungen unterhalb des Daches trat der Rauch aus. Auf diese Weise wurde nicht nur der Fußboden erwärmt, sondern auch die Wände. Die Römer erreichten damit auch in unseren Breiten problemlos eine Raumtemperatur von 21°C.

Die Leutstettener Anlage des Heizungssystems wurde mehrmals umgebaut, um sie den steigenden Bedürfnissen der Bewohner anzupassen. Die nur zum Teil erhaltene Wanne verfügt noch heute über ein funktionstüchtiges Abflussrohr aus Blei.

Die Funde aus Brunnen und Villa

Kopie eines römischen Grabsteins

Die meisten Funde stammen aus dem Brunnen der Villa Rustica. In dem gut erhaltenen, aus Eichenbohlen zusammengefügten Brunnen aus dem Jahr 133 n. Chr. wurden zwei Hausschlüssel, Geschirrreste, eine Terra-Sigillata-Schüssel des Töpfers Cinnamus und eine Schreibtafel gefunden. Auf der Kopie eines römischen Grabsteins, dessen Original in der Kirche St. Alto in Leutstetten eingemauert ist, lässt sich der Lebenslauf des vermutlichen Besitzers des Gutshofs nachlesen. Er kam ursprünglich aus Braga in Nordportugal und durchlief eine militärische Karriere, die ihn unter anderem nach England führte.

Diesen landschaftlich sehr reizvollen Platz, damals mit weitem Berg- und Seeblick, wählte das wohl kinderlose Paar schließlich als Altersruhesitz.

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Villa Rustica

Villa Rustica
Die Villa Rustica
82319 Leutstetten

Öffnungszeiten

 

Führungen:
Mai bis Oktober am 1. Sonntag im Monat, um 15.00 Uhr, sonstige Führungen auf Anfrage (auch für Schulklassen und Kindergruppen)

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